EZB zu Zöllen: Wachstumsbremse für Europa wichtiger als Inflation

Neue US-Zölle wirken sich voraussichtlich eher als Wachstumsbremse denn als Inflationstreiber für Europa aus und könnten den Zinspfad der EZB neu gestalten.
Ein hochrangiger Politiker aus der Eurozone hat signalisiert, dass bevorstehende US-Zölle voraussichtlich eine gedämpfte Auswirkung auf die europäische Inflation haben werden, während sie eine definitive Bedrohung für das Wachstum auf dem gesamten Kontinent darstellen. Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend für die globalen Märkte, da er darauf hindeutet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Wachstumsstabilisierung über die Inflationsbekämpfung priorisieren könnte, falls der inländische Preisdruck verankert bleibt.
Warum Zölle die europäische Inflation möglicherweise nicht anheizen
Obwohl Handelshemmnisse oft mit steigenden Kosten in Verbindung gebracht werden, unterscheidet sich der Mechanismus für europäische Exporteure erheblich von den Erfahrungen im Inland der USA. Wenn Zölle auf europäische Exporte in die Vereinigten Staaten erhoben werden, wird der Preisausstoß größtenteils von US-Verbrauchern, lokalen Importeuren und globalen Lieferketten-Intermediären absorbiert. Folglich könnten europäische Inlandspreise relativ unberührt bleiben.
In diesem Szenario ist das Hauptrisiko für die Eurozone nicht ein Konsumpreisanreiz, sondern vielmehr ein starker Rückgang der Exportvolumina und eine Abschwächung der Industrieaufträge. Dies stimmt mit den jüngsten Analysen überein.
Die Auswirkungen auf Vertrauen und Investitionen
Der unmittelbarste Makrokanal für zollbedingte Störungen ist die Erosion des Geschäftsvertrauens. Angesichts einer unvorhersehbaren Handelspolitik nehmen Unternehmen typischerweise eine defensive Haltung ein, die gekennzeichnet ist durch:
- Verzögerte Investitionsausgaben (Capex)
- Eine Verlangsamung der Einstellungsprozesse
- Verkürzte strategische Planungszeiträume
Wenn das Geschäftsvertrauen weiter schwindet, können diese Faktoren zu einem sich selbst verstärkenden Abwärtszyklus für die Wirtschaft der Eurozone werden und die zuvor in Deutschlands revidierten BIP-Prognosen festgestellten Erholungsbemühungen erschweren.
Geldpolitik und Marktimplikationen
Zinssätze und der EZB-Pfad
Bleibt die Inflation nahe dem 2%-Ziel, verschafft ein wachstumsnegativer Schock der EZB die Flexibilität, geduldig zu bleiben oder eine akkommodierendere Haltung einzunehmen. Die primären Beschränkungen bleiben Dienstleistungsinflation und Lohnwachstum; solange Zölle keine sekundären inflationären Effekte auslösen, überschreiben sie nicht das primäre Preisstabilitätsmandat.
Forex- und Kreditmärkte
An den Währungsmärkten droht dem Euro (EUR) eine potenzielle Underperformance infolge erhöhter Wachstumsrisiken und der Integration einer Risikoprämie, selbst in einem stabilen Inflationsumfeld. Innerhalb der Kreditmärkte könnten sich die Spreads mit zunehmender Unsicherheit ausweiten, selbst ohne ein unmittelbares Rezessionssignal.
Was als Nächstes zu beachten ist
Anleger sollten sich auf hochfrequente Daten zu Exportaufträgen und Umfragen zu den Einstellungsabsichten von Unternehmen konzentrieren. Darüber hinaus könnte eine Eskalation der Handelsspannungen die Weitergaberechnung ändern, wodurch die Persistenz der Dienstleistungsinflation zum ultimativen Test für die regionale Geldpolitik wird.
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